Komm, weiter!
Gemeinsam in die Zukunft gehen

Ein Reh vertraut auf seine Instinkte, um sich in der Natur zurechtzufinden. Es ist darauf angewiesen, dass es seinem natürlichen Gefühl folgt, um sich vor Gefahren zu schützen und seine Lebensweise zu sichern.

Wir nehmen heute jeden einzelnen Tag mehr Informationen auf als ein Bauer im Mittelalter während seines ganzen Lebens. Diesen imposanten Vergleich habe ich in einem Podcast im „Hotel Matze“ mit Florence Gaub gehört, einer Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin. Es ist ja aber nicht nur die Informationsflut, der wir ausgesetzt sind und die unser Gehirn tagtäglich verarbeiten muss. Wir bewegen uns zudem in einem Handlungsfeld, das volatil, unsicher, komplex und ambig (VUCA) ist, also genau das Gegenteil von dem, wonach wir Menschen eigentlich naturgemäß streben: Sicherheit, Verlässlichkeit, Musterbildung, Routine und Gewohnheiten.

Deshalb sind derzeit auch verschiedenen Strategien so erfolgreich, diese Komplexität so zu reduzieren, dass wir nicht mehr ständig im Panikmodus sind: Populismus, Nationalismus, Verdrängung, Schwarz-weiß-Denken. Es gibt fast nur noch „entweder- oder“, „wir und ihr“ und viel zu wenig „sowohl – als – auch“ und das Vertrauen auf Prozesse, die von der Schwarmintelligenz getrieben werden und in kreativen, im Sinne von neu zusammen gedachten, Lösungen münden.

Ein Reh lebt in einem oft unsichtbaren Netzwerk von Beziehungen in der Natur, sei es mit anderen Tieren oder im Zusammenspiel mit seiner Umgebung. Es ist Teil eines größeren Ganzen, das nicht immer direkt sichtbar ist.

Zukunft passiert jedoch nicht einfach so. Auch sind wir unserer Zukunft nicht einfach ausgesetzt, auch wenn wir angesichts der vielfachen und allgegenwärtigen Krisen dieses Gefühl der Ohnmacht haben. Wir sind es selbst, die mit unserem tagtäglichen Tun unser Morgen gestalten. Wenn wir uns genau darüber klar werden und uns nicht länger als Objekte des Geschehens, sondern als Subjekte unseres Tuns begreifen, dann sind wir auch offen dafür eine Vision zu entwickeln, wie eine Welt aussehen kann, in der wir alle gut und gesunderhaltend zusammen leben können. Erst wenn unsere Köpfe offen sind für diese Vorstellung, können wir Schritt für Schritt diese Welt gemeinsam gestalten. Schritt für Schritt, immer weiter.

Obwohl es ein scheues und flüchtiges Tier ist, findet man es oft in Momenten der Ruhe und der Achtsamkeit – bevor es sich in Bewegung setzt. Das Reh weiß, wann es still sein muss, um dann im richtigen Moment mit einer unerwarteten Geschwindigkeit zu handeln.